Für Grundschuleltern

6 Tipps, wie Sie Ihr Vorschulkind optimal auf die Schule vorbereiten

Bald ist es soweit: Die Kindergärten schließen für ein paar Wochen ihre Türen und die Vorschulkinder werden in die langen Sommerferien geschickt. Viele Eltern fragen sich, ob ihr Kind ausreichend vorbereitet ist oder ob sie die kommenden Wochen nutzen sollten, um ihm den Schulanfang zu erleichtern. Annette Holl, erfahrene Grundschullehrkraft und Kooperationslehrerin sowie selbst Mutter von drei Kindern, hat fundiertes Insiderwissen und weiß, worauf es in den ersten Schulwochen ankommt. In dem folgenden Beitrag gibt sie Ihnen wertvolle Tipps, mit denen Sie sich in den kommenden Wochen mit Ihrem „i-Dötzchen“ ganz entspannt auf den ersten Schultag vorbereiten können.

Ich habe schon unzählige Erstklasskinder begleitet und weiß, dass jedes seinen Weg in der Schule machen wird. Bei manchen ist der Start in der Tat etwas holprig, bei den meisten ist nach ein paar Wochen aber der neue Alltag schon zur Routine geworden. Versuchen Sie deshalb, sich entspannt zurückzulehnen und an Ihr Kind und seine Fähigkeiten zu glauben. Blenden Sie dabei negative Erinnerungen an Ihre eigene Schulzeit möglichst aus. Diese müssen und werden sich bei Ihrem Kind nicht wiederholen! Ebenfalls ratsam ist es, keinen (unbewussten) Druck auf Ihr Kind auszuüben, indem Sie versuchen, ihm quasi „auf den letzten Drücker“ noch das Schreiben erster Wörter oder das Lesen erster Buchstaben beizubringen. Verlassen Sie sich darauf, dass seine zukünftige Lehrkraft äußerst professionell und hochmotiviert in die Zeit mit ihrer Ersten Klasse starten wird, und schenken Sie ihr Ihr uneingeschränktes Vertrauen, auch wenn Sie möglicherweise schon etwas über sie in Erfahrung gebracht haben. Sie wissen nicht, wie Ihr Kind mit ihr zurechtkommen wird. Lassen Sie ihm und sich die Chance, sich ohne Vorurteile kennenzulernen.

Ausgehend von meinen jahrelangen Erfahrungen mit Schulanfänger*innen weiß ich, welche Fertigkeiten zum Schuleintritt wünschenswert sind. Die folgenden Tipps stellen kein Regelwerk, sondern eine Richtschnur dar. Je mehr Dinge davon Ihr Kind schon jetzt beherrscht, desto realistischer ist ein gelungener Schulstart.

1. Mit Klemmbausteinen und Bauklötzen Mathe erlebbar machen.

Sicherlich hat auch Ihr Kind eine Kiste mit Bauklötzen und/oder Klemmbausteinen zu Hause. Prima! Damit kann es unheimlich viel für sein geometrisches Vorstellungsvermögen und seine mathematischen Kenntnisse tun:

  • Lassen Sie die Steine von Ihrem Kind nach Farben oder der Größe sortieren.
  • Legen Sie ein Muster vor (z.B. brauner Stein – gelber Stein – blauer Stein – brauner Stein – gelber Stein – ?). Ihr Kind soll es fortsetzen. Sicherlich erfindet es auch gern eigene Muster.
  • Nennen Sie Ihrer Bauheldin oder Ihrem Bauhelden eine bestimmte Anzahl an Steinen, die es verbauen soll.
  • Ihr eigenes sowie ein Geschwister- oder Freundeskind bauen jeweils einen Turm oder ein Haus. Lassen Sie die Kinder zunächst schätzen: Wer von euch hat mehr Steine verbaut? Nach dem Zählen erhält die Schätzkönigin oder der Schätzkönig einen kräftigen Applaus.

2. Wie viele Silben sind es wohl?

Silbieren ist eine wichtige Grundfertigkeit für die spätere Sprach-, Schreib- und Leseentwicklung Ihres Kindes.

  • Starten Sie mit seinem Namen: Zu jeder Silbe (Han – nes, Ma – di – ta), soll geklatscht, gehüpft oder gestampft werden.
  • Lassen Sie Ihr Kind Dinge aus Ihrer Wohnung benennen (z.B. Tisch – de – cke, Fens – ter, So – fa – kis – sen). Diese soll es dann wieder in Bewegung in Silben darstellen.
  • Sicherlich macht es Ihrem Kind riesigen Spaß, wenn es zu jeder Silbe in einem Wort (z.B. Scho – ko – la – den – ta – fel) die entsprechende Anzahl an Steinen, Schokolinsen oder Nudeln vor sich auf den Tisch legen soll.
  • Nehmen Sie Bildkarten eines Memo-Spiels, das Sie zu Hause haben. Ihr Kind soll nun die Anzahl der Silben, die das abgebildete Wort hat, herausfinden, und die Karte ihrer Silbenanzahl entsprechend auf den passenden Stapel legen.

3. Bitte ganz viel Werbung!

Schere, Klebstoff, Blankopapier und Prospekte oder Flyer von Discountern oder Essenslieferanten sorgen bestimmt auch bei Ihrem Kind für Vorschul-Spaß.

  • Lassen Sie Ihr Kind fünf Dinge in rot, blau und gelb suchen, ausschneiden und in Gruppen aufkleben. Alternativ können (je nach Katalog) Gemüse- und Obstsorten, Holz- und Plastikspielzeug, Oberteile und Hosen o.Ä. gruppiert werden.
  • Bestimmt gestaltet Ihr Kind auch gerne eine Collage aus Buchstaben und Ziffern oder klebt Wörter mit ausgeschnittenen Buchstaben.

4. Lassen Sie Buchstaben und Ziffern bei sich einziehen.

Nein, es ist nicht nötig, dass ein Kind vor Schuleintritt lesen und schreiben kann. Auch heutzutage lernt man das in der Schule und die Schulbücher sind auf absolute Anfänger*innen eingestellt. Dennoch ist es sinnvoll, wenn die Schriftwelt schon etwas Einzug ins Kinderzimmer hält.
Besorgen Sie hierzu im Handel oder im Internet ein Poster mit Buchstaben und passenden Anlautbildern (Anlaut = erster Buchstabe eines Wortes) sowie ein weiteres mit den Zahlen von 1 bis 10 und entsprechenden Mengenbildern. Hängen Sie dieses an einem gut sichtbaren Ort in der Wohnung auf, z.B. an der Toilettentür oder am Kühlschrank. Gehen Sie dann spielerisch vor:

  • Nennen Sie einen Anlaut, z.B. „A“ und lassen Sie Ihr Kind auf das passende Bild (in diesem Beispiel „Affe“) zeigen und es benennen. Alternativ nennen Sie eine Zahl und Ihr Kind zeigt auf die entsprechende Menge.
  • Zeigen Sie auf ein Bild und Ihr Kind nennt das passende Wort/die passende Menge. Später kann es auch den entsprechenden Anlaut nennen.
  • Alternativ können Sie das Poster auch auf den Tisch legen. Ihr Kind stellt eine Spielfigur auf ein beliebiges Feld. Es würfelt und rückt seine Figur auf das dem Würfelbild entsprechende Bild vor. Kann es das Bild (schwieriger: den Anlaut) oder die Ziffer richtig benennen, darf es noch einmal würfeln. Falls nicht, sind sie oder ein weiteres Mitspielkind an der Reihe.
  • Erzählen Sie Ihrem Kind eine Geschichte, in der verschiedene Dinge, die auf dem Poster abgebildet sind, vorkommen. Sobald Ihr Kind ein Bild oder eine Menge vom Poster erkennt, zeigt es darauf.
  • Alternativ können Sie auch eine Bewegungsgeschichte daraus machen. Dann muss Ihr Kind aufstehen oder die Hand heben oder eine andere vereinbarte Bewegung machen, sobald es ein Wort erkennt.
    Beispiel: Ein Löwe trifft eine Maus. Zusammen besuchen sie den Affen und essen ein Eis. / Vier Autos fahren durch die Stadt. Am Zebrastreifen gehen zwei Clowns über die Straße.

Profi-Tipp: Sie möchten gerne ganz konkrete Lerninhalte mit Ihrem Kind üben? Dann gehen Sie gemeinsam in einen Buchladen und lassen Sie das Kind selbst ein Übungsheft oder eine Vorschulzeitschrift auswählen. Es wird die Seiten sicherlich mit mehr Ehrgeiz und Motivation ausfüllen, wenn ihm das Layout gefällt und die Aufgaben zusagen. Vom Ausdrucken einzelner Übungsseiten rate ich ab. Sie wecken den Anschein des Zufälligen und Willkürlichen. Ein „richtiges Buch“ hat etwas mehr von einem „Schulheft“.

5. Richten Sie einen Arbeitsplatz ein.

Auch wenn Erstklasskinder ihre Hausaufgaben in der Regel zunächst häufig am Küchentisch erledigen, ist es wichtig, dass sie von Anfang an einen eigenen Arbeitsplatz im Kinderzimmer haben.

  • Der Schreibtisch sollte so positioniert sein, dass das Licht von vorne einfällt.
  • Schreibtisch und Stuhl sollten mit Ihrem Kind mitwachsen, also höhenverstellbar sind.
  • Ein Schreibtisch mit einer schrägen Arbeitsfläche – Orthopäden empfehlen eine Neigung von 16° – ist super. Das erleichtert dem Auge den Blick auf das Blatt und verhindert Haltungsschäden. Optimal ist ein Modell, bei dem ein Teil in die Neigung gebracht werden kann und der Rest gerade ist, sodass Stifte, Hefte ohne herunterzurutschen abgelegt werden können.
  • Sinnvoll ist außerdem eine Auffangrinne für Stifte und kleine Dinge wie Radiergummi oder Lineal.
  • Ihr Kind sollte aufrecht sitzen. Der Stuhl muss also so hoch sein, dass das Kind seine Beine fest auf den Boden stellen kann.

Profi-Tipp: Sie brauchen eigentlich nur einen Schuhkarton, den Sie mit ein paar Utensilien füllen und auf dem Schreibtisch platzieren. Schon kann Ihr Kind in den Ferien ein wenig „Schule spielen“. Besorgen Sie ihm verschiedenfarbiges Papier, zwei DIN-A5-Erste-Klasse-Hefte (je ein liniertes und ein kariertes), ein paar Malvorlagen, Tesafilm, Klebestift, Schere und Radiergummi. Vielleicht noch ein paar Wollreste und einige Aufkleber. Zusammen mit Holz- und Wachsstiften (diese ggf. in einem Schlampermäppchen aufbewahren) wird daraus ruckzuck eine Art „Büro“.

6. Machen Sie Ihr Kind fit für den Straßenverkehr.

Sofern es Ihre Wohn- und berufliche Situation zulässt, und Ihr Kind nicht auf den Transport im Bus oder in Ihrem privaten PKW angewiesen ist, sollten Sie es zu Fuß zur Schule schicken.

  • Gehen Sie in den Ferien den Schulweg mehrmals gemeinsam ab und schauen Sie dabei auf die Uhr. Wie lange dauert der Weg zur Schule im mittleren Lauftempo?
  • Wählen Sie einen Schulweg, der an möglichst wenig befahrenen Straßen vorbeiführt und, wenn möglich, Zebrastreifen oder noch besser Ampelschaltung bietet. Das ist dann vielleicht nicht der direkte Weg, birgt aber weniger Gefahren.
  • Überlegen Sie, ob auf dem Schulweg eine Klassenkameradin oder ein Klassenkamerad Ihres Kindes wohnt. Vielleicht können die Beiden vorab schon einmal gemeinsam die Strecke ablaufen?

Liebe Eltern, ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meinen Tipps dem bevorstehenden „Ernst des Lebens“ etwas von seinem Schrecken nehmen. Wenn Sie sich noch unsicher sind, ob Ihr Kind fit für den Schulanfang ist, können Sie anhand dieser Checkliste typische Merkmale überprüfen, die ein schulfähiges Kind mitbringen sollte.

Ich wünsche Ihnen und Ihren zukünftigen Schulkindern einen guten Schulstart.







Sollten Ihnen diese Tipps von Annette Holl noch nicht ausreichen, lohnt sich ein Blick auf Ihre „Lernideen und Tipps für Vorschulkinder“, die sie zu Coronazeiten zusammengestellt hat.

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